André Spang

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„Digital Detox“ mit der Smart Watch? – Ein Erfahrungsbericht zur Apple Watch 3

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Soll das jetzt ein Scherz sein – Digital Detox mit einer Uhr? Fakt ist: Digital Detox ist in aller Munde, in den tiefen Wäldern Kaliforniens gibt es sogar Digital Detox Camps. Der Trend, der dauerhaften Kommunikation- und Informationsflut zu entrinnen, mal ein Wochenende, einen Tag oder wenigstens dann doch ein paar Stunden offline zu sein, ist in, genau wie Retro und Vintage in Mode, Mobiliar und Musik.

Das Smartphone: Unser ständiger Begleiter

Doch vom „Offline-sein“ sind wir weit entfernt. Das Smartphone ist immer mit dabei, und wenn eine Nachricht kommt, schaut man halt drauf und meist beantwortet man sie gleich. Nebenbei checkt man noch ein paar andere Notifications, tippt hier und da, surft auf einen Blog und schaut ein paar Videos auf dem Facebookfeed oder schaut die neuesten Nachrichten in der Nachrichtenapp der Tagesschau. Die Ablenkung ist groß, die Selbstkontrolle klein.

Kann man machen. Aber muss man ja z.B. nicht unbedingt abends, wenn man unterwegs ist zum Dinner, mit Frau, Mann, Freundin, Freund verabredet ist – ich hätte fast gesagt: „Früher“ ging das doch auch alles ohne Smartphone… wer mich kennt  😉

Aber das Smartphone zu Hause lassen? Oder gar weg sperren? Geht gar nicht. Viel zu drastisch. Dann ist man abgeschnitten, kann nicht mal kurz irgendwo anrufen, falls die Bahn zu spät ist, oder wenigstens eine SMS schicken. Oder vielleicht den Weg kurz mal navigieren. Ja, das ist schon alles sehr praktisch. Und: Wer will dafür schon in eine Telefonzelle gehen? Gibt es die überhaupt noch? Oder Stadtpläne herauskramen…?

Haustür per App öffnen

Ich selbst käme dann nicht mal mehr bei Rückkehr zu Hause in die Haustür rein, denn mein Smartphone öffnet diese – natürlich per App und bei Annäherung automatisch. Wir haben schließlich 2017! Also bitte. Detox in Maßen!

Das „Smartphone“ am Arm: Apple Watch 3 LTE im Stand-Alone-Test

Apple Watch Series 3 GPS/Cellular

Doch jetzt geht es. Ich habe es probiert. Einfach mal das iPhone zu Hause gelassen und nur die Smartwatch um das Handgelenk geschnallt. Es geht! Ungeahnte Freiheit. Trotzdem  erreichbar und „irgendwie verbunden“ – auf jeden Fall nicht komplett abgeschnitten. Allerdings ohne ständiges Getippe und Gesurfe. Ein Gefühl von Freiheit. #ironieOff

Zu den Fakten: Seit dem 22.09.2017 besitze ich eine Apple Watch, Series 3 mit LTE Modul. Sie unterscheidet sich äußerlich kaum vom Vorgängermodell, der Series 2 – bis auf einen roten Punkt an der „Digital Crown“. Die inneren Werte haben sich allerdings verändert. Wobei das ja bei Versionssprüngen auch so üblich ist. Der Prozessor ist ein wenig schneller geworden, der Akku vielleicht etwas stärker, aber der reichte mir vorher schon, und die Uhr kann nun selbstständig auch Höhenunterschiede messen, z.B. das Treppensteigen mitprotokollieren. Wasserdicht ist sie, genau wie die Series 2, angeblich bis zu 50 Metern. Ich habe die Watch 2 bereits erfolgreich im Schwimmbad getestet: Sie hat es überstanden 😉

Was aber gänzlich neu und meines Erachtens auch wirklich richtungsweisend ist, ist das LTE Modul. Durch dieses lässt sich die Watch ohne Smartphone unterwegs nutzen – bisher nur im Netz der Telekom und mit einer E-Sim, die integriert ist. Die Einrichtung: Ein Kinderspiel per QR Code: iPhone-Kamera auf den QR Code richten, Uhr ist aktiviert und im Netz. Dann kann man damit telefonieren, SMS, Mails und einige andere Nachrichten empfangen und verschicken, navigieren, Siri nutzen, etc. – alles ohne das Telefon dabei zu haben. Schon irgendwie Future. Übrigens: Die Uhr ist nicht dicker geworden, denn die E-Sim ist ja integriert und der Bildschirm der Watch dient als LTE-Antenne. So geht Technik.

Nachrichten lesen: z.B. Telegram, WhatsApp, Mail, Twitter, SMS.

Das zu Hause gebliebene iPhone, muss aber eingeschaltet sein und Empfang haben. Dann managt es von dort aus gewisse Dinge mit, wie SMS versenden, oder eben, wie in meinem Fall, dann die Haustür öffnen, wenn man mit der Uhr naht;) Und dank des verbesserten WatchOS und Siri geht z.B. das Erfassen von Texten auf der Watch auch wirklich gut. Einfach diktieren und senden. Und Siri spricht nun auch mit Dir.

Nachrichten schreiben mit „Kritzel“

Wer in der Öffentlichkeit nicht mit Siri reden möchte – kann ja ein wenig komisch wirken – nutzt die Funktion „Kritzel“ auf der Uhr. Damit kann man mit dem Finger kleine Nachrichten „kritzeln“ und die Uhr wandelt die Buchstaben in gedruckte Zeichen um und erkennt die daraus entstehenden Wörter. Aber wir wollten ja nicht so viel schreiben – ihr wisst schon: Detox.

 

 

 

Klar, längere E-Mails auf der Uhr lesen, oder gar verfassen, macht keinen Spaß, muss aber auch nicht sein. Und auch das Telefonieren klappt hervorragend. Auch hier hilft Siri bei der „Vermittlung“ des Gesprächspartners und beim Wählen der Nummer gerne weiter. Mit der Freisprechfunktion der Uhr klappt das auch alles, besser ist es jedoch, einen Bluetoothkopfhörer mit Mikrofon mit der Watch zu koppeln.

Bluetooth Kopfhörer oder Lautsprecher verbinden

Ich nutze die Apple AirPods und die merken von selbst, ob ich alleine mit der Uhr unterwegs bin und verbinden sich automatisch. Sobald das iPhone in der Nähe ist, wählen sie dieses dann ebenfalls automatisch als Tonquelle aus. Sehr gut.

Musikhören kann man natürlich auch. Wenn Apple (endlich) die Funktion freischaltet, kann man sogar aus der gesamten Apple Music Bibliothek die Musik per Mobilfunkverbindung auf seine Watch streamen.

Und der Akku macht das mit?

Geht man mit der Uhr ohne iPhone joggen und nutzt die Aktivitäten-App, um seine sportlichen Leistungen aufzuzeichnen, oder telefoniert man über längere Zeit, geht der Akku schnell in die Knie. Man merkt der Uhr auch ohne zusätzliche Belastung an, wenn man sie ohne iPhone „standalone“ dabei hat. Der Akku leert sich schneller. Aber alles in allem reicht er für einen smartphonfreien Abend locker aus. Und man wird ja dann nicht in der Kneipe sitzen und Dauertelefonate über die Uhr führen. So war das nicht gedacht. Detox…

Ich bin vor allem gespannt, wie sich der Aufschlag der Apple Watch LTE auf andere Hersteller auswirkt, welche Hardwarelösungen da nun kommen werden und wie generell die Entwicklung der „Wearable-Devices“ mit Internetverbindung weiter geht. Es kann sein, dass die Watch hier etwas Dynamik reinbringt und die Kreativität der Ingenieure anspornt. Und vielleicht hilft sie uns ja auch ein wenig beim „Digital Detox.“

Autor: André Spang

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